Zu den Glocken

 

Das Geläut der evangelische Stadtkirche Waldkirch

Die evang. Stadtkirche in Waldkirch hat einen durchaus bemerkenswerten Glockenturm. Auf quadratischem Grundriss erhebt sich die achteckige Glockenstube. Sie ist durch acht große Fenster sehr offen, es gibt keinerlei Klanglamellen, So ist auch der aus einem Stahlgerüst bestehende Glockenstuhl deutlich sichtbar, allerdings auch stark der Witterung ausgesetzt. 2016 wurde daher der Glockenstuhl einer Restaurierung unterzogen, insbesondere zum Korrosionsschutz, die besondere Kontruktionsform wurde beibehalten.
Das ursprüngliche Geläut bestand aus den Tönen ges - b - des. Die beiden großen Glocken wurde 1917 requiriert, und 1922 in neuer Stimmung ersetzt: fis - a - cis. 1942 wurden wiederum die beiden großen Glocken ausgebaut und eingeschmolzen.
1950 wurden die jetzigen Glocken gegossen und am 5. November 1950 geweiht. Die grosse Glocke trägt die Inschrift: O Land, Land, Land - höre des Herren Wort (Jer 22,29). Die zweite Glocke: Jesus Christus - gestern und heute und derselbe in Ewigkeit (Heb 18,3). Die kleine Glocke stammt noch aus 1887, sie trägt die Inschrift: So viel von euch ist, habt mit allen Menschen Frieden (Röm 12,8). Mit dem Geläut tragen sie diese Botschaften in die Stadt hinaus.
Es gibt prinzipiell drei Arten von Geläut:
Den Stundenschlag (stündlich oder viertelstündlich, das übernimmt in Waldkirch die Stiftskirche St. Margarethen)
Das Gottesdienstgeläut zum Zusammenrufen der Gemeindeglieder (Vorläuten für 4 Minuten um 30 Minuten vor Beginn, volles Geläut dann kurz vor dem Gottesdienst)
Das Gebetsläuten. Bei uns dreimal täglich, um 8 Uhr, 12 Uhr und 18.30 Uhr. Dieses Läuten möchte die Menschen, unabhängig von ihrer konkreten Glaubensrichtung, zum Innehalten im Tagesablauf einladen, und sie daran erinnern, dass es über die Alltagsbeschäftigungen hinaus noch anderes Wichtiges gibt: Transzendenz, eine spirituelle Dimension. In der christlichen Tradition weist uns diese vertikale Dimension des Lebens auf die Urmacht des Seins, auf Gott.
Manche Menschen fühlen sich vom Läuten gestört, insbesondere am Wochenende. Das Gebetsläuten wird von einer einzigen Glocke durchgeführt. In der Zeit, in der die Glocken aufgrund der Elektroarbeiten im Rahmen der Innenrenovierung schwiegen, haben wir viele Anrufe von direkten Nachbarn gehabt, die gefragt haben, wann denn das Geläut wieder einsetzt, weil es ihnen den Tag strukturiert. Es gibt zum Geläut also sehr unterschiedliche Sichtweisen.
So wie Städte und Dörfer in eine Landschaft eingebettet sind und ihre je eigene städtebauliche Eigenart haben, so hat jeder Ort auch seine Klanglandschaft. Alles zusammen gebt jedem Ort seinen unverwechselbaren Charakter und Reiz.